Geschichten am Weg – „Die Öffentlichkeit vertragen“
Mit Freunden waren wir vor kurzem am Stöttlbach in Mieming/Tirol unterwegs. Foto: Geschichten am Weg / Knut Kuckel
Mit Freunden waren wir vor kurzem am Stöttlbach in Mieming/Tirol unterwegs. Foto: Geschichten am Weg / Knut Kuckel

Geschichten am Weg – „Die Öffentlichkeit vertragen“

Seit Juni 2019 veröffentliche ich mit den „Geschichten am Weg“ einen neuen Blog. Ich erzähle über Menschen und Begegnungen, die mir an meinen eigenen Lebenswegen begegnen. In unterschiedlichen Kurzgeschichten, die Öffentlichkeit vertragen.

Heute habe ich meinen Blog auf eine neue Domain umgesiedelt. Seit Vormittag sind meine „Geschichten am Weg“ im Internet unter der Adresse: www.geschichtenamweg.de zu finden. Neu ist auch das Logo. Der Bogen über der Schrift sieht zwar aus wie das Zunftzeichen der Drachenflieger, soll aber eine Brücke symbolisieren. Die Brücke – im übertragenen Sinne – ist nicht unbedeutend für die inhaltliche Ausrichtung meiner Geschichten.

Als Journalist, Autor und auch schon eine Weile als Blogger, mag ich die Begegnungen mit Menschen, die erzählen können. Die sich vielleicht ja auch an die ein oder andere Begegnung besser erinnern können als ich.

Geschichten möchten erzählt werden. Es lohnt sich, nach Ihnen zu suchen. Ich finde solche Geschichten entlang meiner Lebenswege. Die beginnen dort, wo ich zur Welt kam und finden ihre Fortsetzung in meinem weiteren Leben.

Der von mir ausgesuchte Blog-Titel „Geschichten am Weg“ klingt auf den ersten Blick mehrheitsfähig. Menschen schreiben ihre Lebensgeschichten auf, lassen sich dabei nicht selten von Experten helfen, die sich ihr Einkommen mit dem Schreiben fremder Biografien sichern. Das sei allen Beteiligten gegönnt.

Schon immer haben Menschen ihre Lebensgeschichten aufgeschrieben.

Das ist ebenso wenig ungewöhnlich wie zeitgemäßer Trend. Meine „Geschichten am Weg“ sind in verhaltener Form auch autobiografisch, werden aber nicht wie eine Biografie erzählt.

Geschichten gäbe es genug, die erzählenswert wären. Allein aus meiner über dreißigjährigen Zeit als Rundfunkjournalist. Da habe ich viele interessante Menschen getroffen. Die meisten dieser Begegnungen (längst vergangener Tage) böten Stoff genug für spannende Erzählungen. Das möchte ich aber nicht. In meiner Bibliothek finden sich Bücher von früheren Kolleginnen und Kollegen, die aus ihrem Radio- und Fernsehleben plaudern. Ganz ehrlich, wen interessieren heute noch Ereignisse und Erlebnisse eines Radiomenschen?

Beim damaligen Südwestfunk traf ich auf Oskar Haaf, einem deutschen Rundfunkpionier. Oskar Haaf, 1905 geboren, wäre heute 114 Jahre alt. Wann er starb, ist nicht öffentlich bekannt. Wir trafen uns auf ein Gespräch im Dezember 1985. Oskar Haaf war seinerzeit das personifizierte Radio. Unter anderem Unterhaltungschef des Südwestfunks in Baden-Baden. Er traf alle Großen seiner Zeit. Theodor Heuss, Herbert von Karajan, Anneliese Rothenberger, Willy Reichert, Erika Köth, Fritz Wunderlich, Ingeborg Hallstein, Kurt Edelhagen, Caterina Valente, Josefine Baker, Robert Stolz, Aristoteles Onassis, Peter Paul Althaus, Karl Heinrich Waggerl, Carl Zuckmayer und viele andere.

Das waren alles öffentlich bekannte Persönlichkeiten, mit denen ich – Anfang der 1980er Jahre – noch etwas anfangen konnte. Manche traf ich sogar noch selbst. Aber wer sollte sich von der jüngeren Generation heute noch an diese Menschen erinnern? Wenn ja, mit welchen Empfindungen? Als sie berühmt waren, sagten die Radiosprecher noch vor der Zeitansage „Beim Gongschlag war es acht-Uhr-fünzig.“ Heute klingt das lässiger, da sagen die im Radio „…es ist schon zehn vor neun“ oder „gleich ist Mittag“.

Oskar Haaf schrieb Bücher über sein bemerkenswertes Rundfunkleben. Die populärsten trugen den Titel „Beim Gongschlag…“. Die gibt es zum Teil heute nur noch im Antiquariat.

Die meisten, die er aus seinem aktiven Leben kannte, leben nicht mehr. Wie er. Die ihn noch kannten, wie ich, sind auch nicht mehr die Jüngsten.

Ich schreibe das, um zu verdeutlichen, wie kurzlebig selbst spannende Geschichten eines langen und erfüllten Lebens sein können.

Meine „Geschichten am Weg“ müssen mich nicht überleben. Ich war nie so berühmt wie Oskar Haaf oder mein Freund und Förderer Hanns Verres (vom Hessischen Rundfunk). Aber ich habe sie und viele andere gekannt und frage mich heute – bei allem Respekt – allen Ernstes, wer spricht noch von ihnen? Wohl nur die wenigen, die sie zeitlebens gut kannten und mit ihnen befreundet waren. Aber auch nur dann, wenn die sich zufällig mal treffen, um über alte Zeiten zu plaudern.

Deshalb schreibe ich in erster Linie für mich und die drei, vier Menschen, denen meine „Geschichten am Weg“ gewidmet sind. Nicht abgehoben und von oben herab, nach dem Motto „schaut her, wen ich so alles kenne…“, sondern so, wie man sich am Tisch unter Freunden gute Geschichten erzählt.

Selbstverständlich aus meinem persönlichen Umfeld, denn über mir fremde Menschen kann ich schließlich nichts schreiben. Die müssen ihre Lebensgeschichten selbst schreiben oder eine Biografin, einen Biograf dazu engagieren.

Wer mal etwas Zeit hat, schaut vorbei. Würde mich freuen.

...danke für's WeitersagenFacebookTwitterPinterestEmailWhatsApp
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